Jocelyne Clémente, diplomiert von der Kunstakademie in St-Etienne, wo sie heute noch wohnt und arbeitet, 1989 Stipendium der Casa Velasquez in Madrid.
Diese junge Künstlerin präsentiert eine Zusammenstellung von Werken zum Thema Landschaft. Durch das Malen und dessen plastische Möglichkeiten setzt sich Jocelyne Clémente mit diesem höchst klassischen Gegenstand auseinander.
Auch durch ihn hat sich die Malerei im 19. Jahrhundert von den zu strengen Vorgaben des Ateliers befreit, von dem sich der Künstler löst, indem er über das Motiv arbeitet. Ein Eintauchen in das Licht, welches die Annäherung und die Beziehung zum Modell modifiziert, welches die Gebärden verändert und gleichzeitig Palette und Pinselstrich nuanciert. Jocelyne Clémente kennt sehr wohl diese lange Geschichte und beherrscht ein Handwerk, dessen Regeln sie mit Liebe erworben hat. Sie kann sich in völliger Freiheit mit der Landschaft auseinandersetzen, deren Geheimnisse der Morphologie und des Lichtes sie erforscht hat. Im Atelier gestaltet sie eine Fantasielandschaft, deren Wesen sie in sich trägt. Eine imaginäre Landschaft, der sie eine visuelle Fülle verleiht, die gleich durch einen kaum wahrnehmbaren Schmerz getrübt wird, welcher aus ihrer existentiellen Beziehung zur Natur entsteht. Ihre Palette drückt in Übereinstimmung mit den blauen, grau-grünen und Erdtönen diese Emotionen aus. Hier ist die Farbe ein lebensbejahender Ausdruck geheimnisvoller Fruchtbarkeit. Sie trägt diese mit einer breiten Bürste Öl auf Papier auf, das sie dann aufleimt. Dieser Untergrund ermöglicht Lichteffekte, die eine besondere Räumlichkeit suggerieren, welche durch die gewählte Perspektive noch verstärkt wird. Zusammengestellt sind dort Werke von den vergangenen Jahren bis zur heutigen Zeit.
Wiederaufnahme desselben Motivs, Variationen, die in einer fast automatischen Bewegung das abstrakte, unmittelbare Herangehen zeigen; so kommt durch lyrische und sich vereinende Pinselstriche der ausgearbeitete Weg in die Materie zum Ausdruck. Eine zeitgenössische und gleich bleibende Betrachtung der Landschaft.
Lydia Harambourg
Der Text ist bereits im April 2005 in der Gazette de Drouot erschienen.
Traduction Christine Gros assistée de Kathrin Kleve
Die Künstlerin hat in der Kunstakademie von St-Etienne studiert, wo sie heute noch lebt und immerzu über das Thema Landschaft arbeitet. Der Stoff ist höchst klassisch.
Im Laufe des ganzen 20. Jahrhunderts durch die Avant-Gardes verpönt, ist die Landschaft weder Grundlage, noch Ort einer Reflexion über das Malen. Ab den 80er Jahren wird sie durch die Fotografen wieder eingeführt. Jetzt sind sie es, die sozusagen in einer engen Beziehung zur Natur sich wieder mit dem Motiv beschäftigen. Sie stellen Furchtbares fest. Die Berge sind aufgerissen, die Wüsten verschmutzt, Meere sind verschwunden…
Jocelyne Clémente arbeitet mit der Genauigkeit eines Fotografen. Sie entscheidet sich für eine besondere räumliche Perspektive und dadurch fängt sie in der Tiefe der Leinwand das Licht auf.
Ihre Landschaften –kahl, menschenleer, ohne jedes Zuviel –erneuern trotzdem den Blick auf das Äußere. Aufgrund der dargestellten Gegenstände uns vertraut, gleichzeitig aber durch das seltsame Licht, das sie umflutet, außergewöhnlich, fangen sie vergängliche, beinahe intime Momente auf. Sie suggerieren eine Gefahr, drücken die Unruhe der Künstlerin gegenüber der Welt aus. Sie hat sich die Ästhetik des leeren Raumes der niederländischen Maler des goldenen Zeitalters zu Eigen gemacht, aber was in ihrer Arbeit als Bild erscheint, weist nicht auf die gleiche Situation hin.
Die Landschaft, die in der Malerei ihre eigene Geschichte hat, gibt uns Auskunft über unsere Beziehung zur Welt. Das ist ein notwendig treffendes Thema. Und man wundert sich, dass in Abwesenheit einer spektakulären Annäherung an die Elemente, aus denen die Landschaft zusammengesetzt wird, man so viel Mut braucht, um heutzutage ein solches Thema in der Malerei zu behandeln. Jocelyne Clémente besitzt das Talent, das ihr erlaubt, dieses zu wagen.
Catherine Plassart im September 2006
Erschienen auf der Internetseite Art Point France
Traduction Christine Gros assistée de Kathrin Kleve